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Bestechen – aber richtig!
#1
Dies ist eine Satire - und wie es diesen zu eigen ist, enthaelt sie einen wahren Kern, der manchmal wie ein Stachel im axxxh eines Igels steckt...

[Bild: solesmano_zps84c5fc9a.jpg]
 
Um es gleich zu Beginn deutlich zu machen und etwaigen Missverständnissen vorzubeugen:
Es geht hier nicht darum, zur Bestechung aufzurufen oder diese zu propagieren! Nein! Ein Aufruf zu einer strafbaren Handlung ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in Peru strafbar! Der Autor bedient sich aus rein rhetorischen Gründen und des schnöden Sensationalismus willen dieses reißerischen Titels – und das mag man ihm nachsehen. Denn wir wollen nicht so naiv sein zu glauben, in Peru existierten keine Bestechungen. Vielmehr ist es so, dass Korruption in Peru ein allgemein bekanntes soziales Übel ist, welches nicht selten als nützlich und sozialverträglich angesehen wird. Dies, obwohl durchaus Bestrebungen in Politik und Gesellschaft bestehen, die Korruption zu bekämpfen. Offensichtlich mit geringem Erfolg. Bestochen wird nämlich an allen Ecken und Enden, besonders aber die Verkehrspolizei.

Wie das mit einer Bestechung abläuft
, will ich nachstehend an einem rein hypothetischen Beispiel etwas locker, flapsig und einem Schuß Satire erläutern. Wer jetzt spitzfindig fragt, woher ich weiß, wie diese anrüchige und von Gesetzes wegen strafbare aber von Teilen der peruanischen Gesellschaft als unvermeidbar angesehene Handlung funktioniert, dem sei gesagt, dass ich viel mit Peruanern rede (insbesondere mit Taxifahrern ergeben sich da zuweilen sehr interessante Gespräche), ihnen genau „aufs Maul“ schaue und nicht selten auf ein öffentliches Transportmittel wartend an einer Bushaltestelle oder Kreuzung herum lungere, an der sich oft Erstaunliches abspielt, wenn man mal genau hin sieht und die Ohren spitzt. Manche Polizisten und auch ihre Klienten scheinen da anzunehmen, dass „dieser Gringo-Tourist“ sowieso nichts versteht…aber er tut es halt doch und ist auch kein Tourist, pues. Nachdem wir das jetzt geklärt haben, können wir also in medias res gehen:

Der klassische Fall, in dem eine Bestechung auftritt, ist bei einer Verkehrskontrolle.
Entweder gibt es eine sogenannte Batida (was man mit „Razzia“ übersetzen könnte), bei der ein größeres Aufgebot von Polizisten Fahrzeuge herauswinkt und kontrolliert, oder du wirst von einem einzelnen Polizisten „herausgepfiffen“ (bitte niemals die Pfeiferei ignorieren, sonst kann es teuer werden!) oder du wirst von einer motorisierten Patrouille angehalten.

Der dann folgende Ablauf ist fast immer gleich:
Ein finster blickender Polizist marschiert zu deiner Fahrerseite, wo du ihn hoffentlich schon mit abgestelltem Motor und heruntergekurbeltem Fenster warmherzig erwartest.

"
Documentos!!!“ (Schnauz… bzw. Knurr…!)

Jetzt solltest Du fix Führerschein, Fahrzeugschein, Nachweis über eine gültige SOAT und ggf. auch noch Pass oder CE (oder DNI bei peruanischen Staatsbürgern) hinaus reichen und hoffen, dass alles in Ordnung ist. Brillenträger haben ihr Gestell dabei bitte auf der Nase und nicht woanders. Nach einer Minute oder so und einem eventuellen Blick auf dein Nummernschild, erhältst du entweder die Dokumente zurück und darfst  weiterfahren…

oder aber…

es folgt eine Anschuldigung,  z.B.

„Sie sind an der letzten Kreuzung links abgebogen! Da durfte man nicht abbiegen! Das ist strafbar! (Anm.: nein ist es nicht, nur ggf. eine Ordnungswidrigkeit…aber ok…) Ich muss ihnen einen Strafzettel ausstellen!!!

Du könntest jetzt alles bestreiten, doch gehen wir für dieses Beispiel mal davon aus, dass deine Fahrweise bereits recht peruanisiert war und du nicht gänzlich zu Unrecht aus dem Verkehr gefischt wurdest…

Also egal, ob Du tatsächlich links abgebogen bist oder nicht:
Greift der Polizist jetzt nicht sofort zum Knöllchen und beginnt zu schreiben, sondern macht eine Pause und schaut dabei ein oder mehrmals prüfend nach links und rechts (manche sind dabei ersichtlich nervös, manche cool), um sich zu vergewissern, dass ihm niemand auf die gierigen Finger…pardon: hilfsbereiten Hände schaut, dann weißt du bereits wohin der Hase galoppiert.

Peruanische Autofahrer, egal ob die Anschuldigung zutreffend ist oder nicht, fangen jetzt erst einmal an, mit dem Polizisten zu diskutieren. Grundsätzlich könntest du das gleiche tun, doch es ist eher Zeitverschwendung.
Die richtige Antwort wäre vielmehr das stirnrunzelnde Aushauchen eines großen Fragezeichens, so, als ob du nicht verstehen würdest, was da abgeht (Fahrerinnen bitte mit besonders großen Unschuldsaugen):

„Oficial...???“
(Also etwa: „Herr Polizist…???“)

Meist wird dir der Gute jetzt umgehend klarmachen, dass deine wahre oder lediglich in deine deutschen Birkenstock-Sandalen geschobene Verkehrsübertretung „
eine ganz üble Sache ist, welche 600 Soles Strafe kostet; eigentlich müsste er ja dein Auto beschlagnahmen und dich sofort auf die Comisaria schleifen!“. Pause…

Nachdem dir jetzt kristallklar ist, dass der Ordnungshüter nur auf seine…ähm…“propina“ aus ist und du ja durchaus bereit wärst, dem…ähm…Witwen- und Waisenfond der Polizei eine Spende zu erteilen, wird sich das Ritual wahrscheinlich so fortsetzen:

Du (besorgtes Stirnrunzeln):

”¿Ay, oficial, que hacemos?
¿Que es la solucion?“
(In etwa: “Ach, Herr Polizist, was machen wir nur? Was ist die Lösung?“)

(Verkneif es dir bitte, dabei blöd zu grinsen, denn nichts kann mehr ins Auge…oder in die Hose…gehen, als ein Ordnungshüter, der sich nicht respektiert fühlt!!!)

Sofern du jetzt von ihm hörst

„!Siempre hay solucion!“
Blick nach links, Blick nach rechts…

(also „Es gibt immer eine Lösung!“), so ist das in der Regel der Auftakt und die Einladung zum Bestechungsakt.

Es kann natürlich vorkommen, dass der Polizist (im Volksmund auch liebevoll „Tombo“ genannt; ein Wort, welches du niemals vor einem Polizisten benutzen solltest, wenn dir deine Hämorrhoiden lieb sind) bereits ein ausgebuffter Veteran ist und dir eiskalt erwidert

¿
Solución, que solución?! Usted va a pagar la multa!
(Also: Lösung, welche Lösung?! Sie werden die Strafe bezahlen!) 

Hast Du vorher allerdings bereits die Indizien für die Einladung zur Bestechung erkannt, so weißt du, dass dies in der Regel nur ein dramaturgischer Einschub ist, um deine Spendenbereitschaft a priori zu erhöhen. 

Hast du genügend Cojones und Kleingeld, so könntest du ebenso cool und energisch entgegnen „
Ok, la papeleta entonces, por favor!“ (also: „Na gut, dann den Strafzettel bitte!“), doch bedenke, dass es in diesem  Fall für den Tombo meist keinen Weg mehr zurück gibt, ohne das Gesicht zu verlieren. Er  m u s s  dir den Strafzettel nun geradezu ausstellen! Da dies Arbeit bereitet und deine Spendenbereitschaft ohnehin obsolet ist, könnte er hierbei aus Rationalisierungsgründen gleich noch eine zweite Ordnungswidrigkeit finden, die er dir zu Papier und Lasten bringt. Intelligenter wäre es also, du sinkst vor der Amtsgewalt theatralisch gekonnt noch 2 Zentimeter mehr in dich zusammen und machst einen sehr bedröppelten Eindruck. „Ay, oficial! Dios mio! ¿Que hago entonces?“ (also „Ach, Herr Polizist! Mein Gott. Was soll ich dann nur machen?“). Dies führt dazu, dass dich der Veteran als weichgekocht genug ansieht, um endlich auf den Punkt zu kommen. 

Reicht er Dir nun ein aufgeklapptes kleines Büchlein in das Auto
, in dem üblicher Weise die Verkehrsübertretungen samt zugehörigen Strafen aufgelistet sind und sagt, mit dem Finger darauf tipsend, „Mire, aqui esta…“, oder ähnliches, so weißt du, dass von dir nur noch eines erwartet wird: Die Kohle hinüber zu reichen!

Dies allerdings ist eine kritische Phase der Prozedur, denn du kannst dabei einiges falsch machen.

Hierzu musst du folgendes wissen: 
1) 
Ein Polizist ist ein Ehrenmann! Während du annimmst, er stopfe sich nur seine Taschen mit dem ergeierten Geld unschuldiger autofahrender Bürger voll, stellt sich für ihn der Sachverhalt anders dar: Er hilft dir (deshalb auch in Peru; „Dein Freund und Helfer“), eine gesalzene Strafe und eine unangemessene Schädigung deines Monatsbudgets zu vermeiden und gleichzeitig verkehrserziehend positiv auf dich einzuwirken – was ja die Grundidee des Knöllchens ist (nur zieht letzteres in Peru jedem Durchschnittsperuaner gleich finanziell die Schuhe aus). Ferner hat der Tombo klare finanzielle Vorgaben von seinem Chef. Nur das, was über diese Vorgaben an …ähm…Spendeneinnahmen hinaus geht, darf er sich, gewissermaßen als selbstverständlich ehrenhaft und hart verdiente Provision, steuerfrei in die eigene Tasche wirtschaften.

2) 
Die erwartete Höhe der….ähm…Spende, richtet sich nach dem sozialen Status des…ähm…Spenders, was doch ziemlich gerecht erscheint! Ein armer Mototaxifahrer, und sei er auch erst vierzehn und dürfte mit diesem Vehikel gar nicht herum fahren, ist meist schon mit 5 Soles raus aus der Sache, ein Toyota fahrender Taxista mit 20,- und ein peruanischer Gelände-Neuwagenfahrer mit 40,-. 

Problem: 
Du bist ein Gringo (also wohlhabend!), sitzt in einem neuen Geländewagen und siehst, wenn du deinem Polizisten gesetzestreu und obrigkeitsliebend in die Augen blickst, dieses gewisse Glitzern…Du könntest jetzt natürlich 50,- Soles locker machen, tust Dir und allen anderen Gringos damit für die Zukunft aber keinen Gefallen. Du solltest den Ordnungshüter schon spüren lassen, dass auch du weißt, wie ein alter Geier fliegt, und nicht mehr als 40,- Soles, besser aber nur 30,- für die Spendenkasse herausrücken. 

Die Kohle hinüber reichen
Also nochmal zurück: Er reicht dir das kleine aufgeklappte Büchlein in das Auto…Du nimmst es entgegen, greifst rechts neben dich in die Ablage, wo du weise voraus denkend für solche Fälle bereits die richtigen Scheine abgezählt deponiert hast. Du packst das Papier diskret in das Büchlein, klappst dieses zu, wunderst dich, wie gut doch das Format des Büchleins zu der Größe der Geldscheine passt und reichst es wortlos oder mit einem freundlichen „Gracias, oficial!“ zurück. Aber dabei bitte nicht in seine Augen blicken, denn das wäre offensiv.

Erhältst du nun im Gegenzug deine Dokumente zurück, ist die Prozedur abgeschlossen. Du wirst weiter gewunken und hast es hinter dir…bis zum nächsten Mal.

Wenn es nicht ausreicht
Jetzt kann es nun passieren, dass die…ähm…Spendensumme, die du in das Büchlein gelegt hast, nicht den Erwartungen des Polizisten entspricht. Kann ja mal vorkommen. Ich meine, während man eine deftige Alkoholfahne und die zugehörigen Promille noch vor einigen Jahren mit 100,- Soles aus der Welt schaffen konnte (so erfuhr ich aus zuverlässigen Quellen) ist das heutzutage teurer…nur wie viel teurer…wer weiß das schon so genau?!

Na ja, wie gesagt: kann ja mal vorkommen. Und das weiß auch der Polizist. Er wird dir in diesem Fall also das Büchlein mit strafendem Blick zurück reichen oder eine ganz direkte Bemerkung machen (der Arme steht schließlich unter Zeitdruck!) und dir die Chance zur Fehlerkorrektur einräumen. Legst du nach und der Polizist ist zufrieden, so steht auch deinem geordneten Abzug nichts mehr im Weg.

Was aber, wenn du nicht mehr genügend Kohle zur Korrektur deiner Fehleinschätzung mit dir führst?

Wichtig:
Erwähne nie, dass du eine Kreditkarte in der Tasche hast! Findige Tombos sind nämlich schon auf die Idee gekommen, mit ihrem Klienten zur nächsten Tanke einkaufen oder in den Puff zu fahren – und rate mal, wer zahlt?! Erkläre danach doch den unzweideutigen Namen des letztgenannten Etablissements auf der monatlichen Kreditkartenabrechnung deiner Frau. Das ist ungesund! Ganz ungesund!

Eine alte Juristenweisheit besagt: Die Wahrheit ist ein angenehmes Ruhekissen (was meistens auch stimmt…)! Beichte dem Officer also frei heraus, dass du nicht mehr genügend Bargeld mit dir führst. Vergiss dabei nicht, einen möglichst geknickten Eindruck zu machen und die teure Zahnarztbehandlung für deine drei Kinder und die Medikamentenkosten für Schwiegermama und den horrenden Kredit für den Geländewagen zu erwähnen. Aber lüge ihn wegen der Ebbe in der Spendenkasse nicht an! Das kann nach hinten losgehen.

Gemäß dem Prinzip Hoffnung und berufsspezifischen Eigenheiten ist es jetzt durchaus möglich, ja geradezu wahrscheinlich, dass der Polizist ein Auge zudrückt und dich mit einer Ermahnung und einigen grantigen Bemerkungen, was er für ein netter Kerl sei und was für ein Glück du doch hättest, du (elender) unwissender ausländischer Verkehrssünder, ziehen lässt. Dann danke ihm freundlich („
Gracias jefe, muy amable!“  Aber dabei bitte nicht blöd grinsen!!) und fahr los. Ja, ein Polizist weiß durchaus, dass man beim Angeln nicht immer fette Fische fängt und das Filet nicht größer wird, nur weil man einer Sardine das Fell über die Ohren zieht. Andere Klienten warten schließlich bereits auf ihre Behandlung, und auch diesen hat man Zeit zu widmen. Sonst klappt es nicht mit den Vorgaben des Chefs und der Erreichung des Tages-Solls.

Sollte übrigens der unerwartete Fall eintreten, dass man dir die Nachbesserung verweigert und dich tatsächlich in Richtung Comisaria verfrachtet, was mit deinem eigenen Auto und dir selbst als Chauffeur erfolgt, so rechne nicht damit, deine…ähm…Spendenanzahlung wiederzusehen. Höchstwahrscheinlich wird man dir auf halbem Weg zur Comisaria doch nochmal eine zweite Chance geben. Sollte auch die nicht fruchten und du schließlich tatsächlich in der Höhle des Löwen landen, dann lehne dich zurück und genieße die Show. Es wird länger dauern, das ist sicher. Und vergiss nicht, nachher darüber zu berichten. 

PS:
Polizistinnen haben in Peru übrigens den Ruf unbestechlich zu sein. Wie sie damit in einer männerdominierten Polizeiwelt und angesichts der Vorgaben von Chefs beruflich überleben können, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers. Vielleicht ist ihre Unbestechlichkeit auch der Grund, dass sie in der Polizei keine höheren Ämter bekleiden. Wie dem auch sei, man(n) sollte höchst vorsichtig sein, bevor man(n) diesen Damen bei einem geschäftlichen Intermezzo einen Geldschein anbietet. 

PPS:
Wenn du mal wieder in Deutschland zu Besuch bist und von der Polizei angehalten wirst und du weißt warum, erinnere dich um Himmels willen, in welchem Land du dich gerade befindest.  Denn wenn du das, was du aus Peru gewohnt bist, mit einem deutschen Polizisten versuchst, dann wird die Angelegenheit richtig, aber so richtig teuer! Und auch der modus operandi ist dann ein anderer… 

Merke:
If you are in Rome do as the Romans do. Aber lass dich im Circus Maximus nicht den Löwen zum Fraß vorwerfen!
Antworten
#2
Wenn man dann aber in so eine Aktion gerät sieht man echt alt aus :D

Incorruptible: policía graba a conductores 'coimeros'


http://elcomercio.pe/lima/ciudad/policia-pone-al-descubierto-conductores-que-le-ofrecen-coimas-noticia-1707918


Eigentlich such ich ja noch das Video wo zufällig eine TV-Kamera eine Polizistin gefilmt hat als sie sich 20 Soles von einm Microfahrer zustecken lässt :P
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