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Puquio - zwischen Nazca und Cuzco- Teil 1
#1
Photo 
Allgemeine Routendaten:
Routenpunkte:        Lima, Cañete, Pisco, Ica, Pallpa, Nazca, Lucanas, Puquio
Entfernung:           ca. 610 km ab Lima
Fahrzeit:               ca. 10 - 12 Stunden ab Lima, mit kurzem Zwischenstop in Nazca
Schwierigkeitsgrad: einfach
Anmerkungen: 
Die Strecke ist mittlerweile gut ausgebaut und kann auch mit einem Stadtauto befahren werden.
Karten sind aufgrund der einfachen Trasse nicht erforderlich.
Wegen der enormen Höhen (bis über 4000 Meter) empfiehlt es sich, Medikamente gegen die Höhenkrankheit mitzuführen und bereits kurz hinter Nazca Cocatee zu trinken, dessen Konsum sich in der Regel positiv auf die Höhenverträglichkeit auswirkt.  
Bekleidung: für das Gebirge sollten wetter- bzw. regenfeste, warme Kleidung und Handschuhe sowie solides Schuhwerk eingepackt werden; auch wenn es tagsüber angenehm warm sein kann ("Pullover-Wetter") sind die Nächte in der Regel eiskalt!

[Bild: _map_zps15e11c2c.jpg]

Puquio, zwischen Nazca und Abancay bzw. Cusco an einer der terrestrischen Hauptrouten nach Cuzco gelegen,
ist ein Ort, der von Touristenströmen bisher verschont geblieben ist. Wer das beschauliche, ursprüngliche Peru der Anden sucht, wird hier jedoch fündig werden. Es ist überraschend, dass insbesondere in Anbetracht der Nähe zu Nazca nicht mehr Touristen einen Abstecher nach Puquio wagen, denn sowohl der Ort selbst als auch die Umgebung haben Natur-, Tier- und Landschaftsliebhabern einiges zu bieten. Wir packen deshalb natürlich ein Fernglas mit ins Gepäck.

Wir starten morgens gegen 07:00Uhr von Lima aus und
verlassen Perus graue Hauptstadt auf der Panamericana Sur Richtung Süden.
Die Panamericana verläuft nahezu schnurgerade an der Küste entlang. Auf der Strecke sind an mehreren Stellen Mautgebühren (jeweils ca. 4 bis 8 Soles) zu entrichten.

[Bild: vorcanete_zps460761f1.jpg]
Die Panamericana kurz vor Cañete 

Nach ca. 2 Stunden Fahrt passieren wir den Ort San Vicente de Cañete (allgemein kurz Cañete genannt), welcher ca. 140km von Lima entfernt liegt. Da es hier keine Umgehungsstrasse gibt und die sich verengende Panamericana direkt durch den Ort zwängt, kommt es zu Staus und Verzögerungen.  

Weiter geht es durch Chincha Alta und vorbei an der Stadt Pisco (ca. 240 km von Lima entfernt), nach der Perus alkoholisches Nationalgetränk benannt ist. Den sehenswerten Nationalpark Paracas lassen wir rechts von uns liegen.
Bereits vor Ica wird die Landschaft immer wüstenhafter. Kleinere Dünen reichen bis an die Straße heran. Vereinzelte Palmen ragen aus dem hellen Sand, den der Wind in kleinen Wolken über den Asphalt bläst. In mir kommen Erinnerungen an Saudi-Arabien auf.    

Die freundliche Stadt Ica (ca. 305 km ab Lima) begrüßt uns mit Sonne und wenig Verkehr. Wir tanken den Wagen kurz auf und widerstehen, wie schon zuvor in Canete, der Versuchung, unsere Wein- und Piscovorräte aufzustocken. Ein anderes Mal! Die schiere Anzahl der Bodegas, die es da zu durchstöbern gäbe, würde mehr als eine Übernachtung erfordern. Doch wir wollen weiter.
Wir folgen der Panamericana durch ausgedörrte Landschaften und entlang der Oasen und Weinanbaugebieten von Ocucaje, einem kleinen Ort, welcher einer bekannten Pisco-Marke seinen Namen verleiht.

[Bild: icavino_zps4dbe37ca.jpg]
Wüste und Weinanbau in der Höhe von Ocucaje

Kurz vor Palpa nehmen wir eine Abkürzung auf der alten, für den Schwerlastverkehr nicht mehr befahrbaren Panamericana-Trasse, drücken uns durch einen dunklen Tunnel und ...

[Bild: tunnel_zps6402ec9b.jpg]
Enger Tunnel der alten Panamericana-Trasse

...und sind nach wenigen Kurven bereits im grünen Tal des Rio Grande, der überhaupt nicht "grande" ist. Wer nicht ortskundig ist, folge einfach nur dem Verlauf der aktuellen Panamericana. Wir passieren die Brücke über den wenig Wasser führenden Fluss und tuckern gemächlich durch das verschlafene Palpa. Der unscheinbare Ort ist für seinen Obstanbau sowie für enorm leckere Flußkrebse bekannt. Auf dem Rückweg werden wir hier auf jeden Fall einen Zwischenstop einlegen.

[Bild: palpa-rio-grande_zps9c51e3e6.jpg]
Plantagen bei Palpa, am Rio Grande

Die letzten Kilometer vor der Stadt Nazca (ca. 450km ab Lima) verlaufen durch eine Wüstenebene, in der sich die Mehrzahl der berühmten Nazca-Linien befindet, jene Magneten der großen Touristenströme. Von der Panamericana aus sind die Linien nicht zu erkennen. Die Straße verläuft jedoch direkt an einem Aussichtsturm (mirador) vorbei, der für 2 bis 3 Soles erklommen werden kann. Den besten Ausblick auf die Nazcalinien hat man natürlich von einem Flugzeug aus (entsprechende touristische Möglichkeiten bieten sich am Flugplatz Nazca).

Die Panamericana läuft nun schnurgerade auf die Stadt Nazca zu,
welche der Cerro Blanco, die höchste Sanddüne der Welt (2078 m), beeindruckend überragt. Wir werden an anderer Stelle noch separat über sie berichten. Es ist heiß, die Luft flimmert, und wir sehen über der Straße mehrere Spiegelungen.

[Bild: nazcaankommen_zps248974c9.jpg]
Die Panamericana kurz vor Nazca - im Hintergrund der Cerro Blanco

Wir erreichen Nazca (ca. 450 km ab Lima) gegen 13:30Uhr. Im Ort biegt die Nationalstraße 26A (kurz N26A) links nach Puquio ab. Wir fahren jedoch zunächst geradeaus Richtung Flugplatz weiter, in dessen Nähe wir in einem kleinen Lokal gemütlich zu Mittag essen. Die leckeren Muscheln und der Fisch sind für die Portionen etwas preisgünstiger als in Lima: inklusive Getränke zahlen wir ca. 20 Soles pro Person.

Da es auf den letzten ca. 160km bis Puquio keine annehmbare Tankstelle für Benzin (wohl aber für Diesel) mehr gibt,
füllen wir zur Sicherheit nochmal in Nazca nach.
Es sollte auf Bergfahrten allerdings vermieden werden, den Tank randvoll zu füllen.
Gesagt getan:
Wir verlassen Nazca auf der N26A durch ein zunächst grünes Seitental und winden uns in unzähligen Serpentinen an der Seitenflanke des Cerro Blanco entlang nach oben. Die Steigungen sind teilweise enorm. Die Straße ist seit einigen Jahren gut asphaltiert. Dies war nicht immer so. Noch in den 90er-Jahren gab es nur eine Schotterpiste, die auch für Geländewagen und LKWs eine Herausforderung darstellte.

In der Umgebung von Nazca finden sich übrigens bis heute viele kleinere Goldminen,
die meist "informell", also illegal betrieben werden. Kurz hinter Nazca führt die Straße an einem solchen Minenkomplex vorbei, in dem vor einigen Jahren während eines Erdbebens rund 200 Mineros zu Tode kamen. Danach wurde die Mine von der Stadt geschlossen.    

Wir schrauben uns derweil durch eine beeindruckende Wüstenlandschaft und unter knallblauem Himmel weiter und weiter in die Höhe, bis der Cerro Blanco unter uns zurück bleibt.

[Bild: nazcapuquio_zpsc12ba67a.jpg]
Wüstenlandschaft, ca. 30 km hinter Nazca, Richtung Puquio

Die sich langsam in eine Pampa wandelnde Landschaft wird einsam.

Zur Zeit des Terrorismus in Peru war diese Strecke
eine "rote Zone"; manche sagen sogar eine dunkelrote Zone, galt also als hoch-gefährlich. Hier kam es häufig zu Überfällen und Morden durch den Sendero Luminoso und Scharmützeln mit der Polizei und dem Militär, da die Trasse eine der Haupteinfallsrouten von der Hochburg des Senderos, den Städten Ayacucho und Abancay, zur Küste darstellte. Eine etwa auf halben Weg zwischen Nazca und Puquio liegende Raststädte wurde vom Sendero dem Erdboden gleichgemacht.Es gab viele Tote. Ortskundige können noch heute die Stelle identifizieren, an der das Gebäude stand.
Heute gilt die Trasse als recht sicher.
Allerdings kam es in den vergangenen Jahren vereinzelt zu nächtlichen Busüberfällen, bei dem die Reisenden ausgeplündert wurden. Personenschäden waren jedoch nicht zu beklagen.  
 
Doch wenden wir uns angenehmeren Dingen zu:
Wir nähern uns nun der Pampa Galeras und dem Naturpark gleichen Namens. Diese hügelige Gegend ist für ihre großen Guanaco-Herden bekannt. Die Tiere sollen bis an die Straße heran kommen. Wir machen also die Kamera schußbereit und kramen das Fernglas aus dem Rucksack.  
Fast "wie bestellt" taucht hinter der nächsten Kurve eine Gruppe von fünf Guanacos auf. Wir parken das Auto am Straßenrand und steigen aus. Die Gruppe hat uns bereits bemerkt uns zieht sich etwas zurück. Nur der Macho bleibt, beäugt uns misstrauisch und gibt dabei ein schönes Motiv ab. Dankecito!

[Bild: guanacogaleras_zpsed1a7f1c.jpg]
Guanaco in der Pampa Galeras

Wir setzen die Fahrt fort und sehen auf den nächsten Kilometern noch viele dieser Tiere. Für die Pampa Galeras sollte man also getrost einen Zwischenstop einplanen. Besitzer einer Fotoausrüstung mit einem guten Teleobjektiv dürften sicherlich weitaus schönere Schnappschüsse zustande bringen als mir dies mit meiner kleinen Handkamera gelungen ist.

Nach Passieren einer Mautstelle befinden wir uns bereits im Hochgebirge, d.h. in einem südlichen Abschnitt der Cordillera de los Andes.
Durch ein landschaftlich sehr schönes Tal nähern wir uns dem Ort Lucanas. 

[Bild: way1_zps607d92ce.jpg]
Tal, einige Kilometer vor dem Ort Lucanas

Dann passieren wir die kleine Gemeinde San Juan und erreichen kurz darauf nach ca. 610 km ab Lima am späten Nachmittag schließlich 
Puquio (3214 m über dem Meer; ca. 15000 Einwohner).

[Bild: puquio2_zps824737f4.jpg]
Die Stadt Puquio - von einem Hügel am Stadtrand betrachtet

Rund um die Plaza gibt es einige Hostales,
recht sauber und relativ neu, mit Preisen von ca. 30 bis 40 Soles pro Nacht. Das können sich sogar Rucksack-Touristen leisten. Wir steigen in einem Hostal in einer Seitenstraße in unmittelbarer Nähe der hübschen Plaza ab.

[Bild: plazapuquio1_zps09ad5835.jpg]
Die Plaza von Puquio

[Bild: plazapuquio_zps3bddc4f6.jpg]
Teil der Plaza vom Puquio

Kaum einquartiert, geht es mir plötzlich schlecht. Die Höhenkrankheit (sorroche) hat mich voll erwischt! Verdammt! Früher hatte ich damit nie Probleme, doch seit ein paar Jahren bekomme ich sie öfters über 3000m. Natürlich habe ich kein Medikament dabei. Die freundliche Apothekerin an der Plaza kennt jedoch schon ihre Pappenheimer und hat sowohl das passende Präparat als auch mütterlich aufpeppelnde Worte parat. Am späten Abend lässt das Unwohlsein langsam nach, doch die Nacht ist eisig kalt. Nach der Hitze in Nazca sowie mit einem von der Höhenkrankheit etwas angeschlagenen Kreislauf friere und schlottere ich trotz angenehm dicker Bettdecke wie ein Schneider. Mein Mitfahrer hat ein Nachsehen mit mir und vermacht mir eine seiner langen Unterhosen! Die hatte ich Idiot natürlich auch vergessen. "Freundschaft ist, wenn Dir einer seine Unterhose schenkt", das wäre doch mal ein schöner Slogan. Ich jedenfalls bin dankbar und falle nach wenigen Minuten, von oben bis unten warm eingepackt, völlig fix & fertig in einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Tag erwache ich erst gegen 11Uhr, mit leichten Kopfschmerzen, aber es geht mir besser. Nach einem späten Frühstück (6 Soles) in einem Lokal neben dem Hostal kaufe ich mir erst einmal Handschuhe. Auf der Packung steht "Made in China". Na ja, egal: Mensch, fühlt sich das gut an!  

Anmerkung:
Puquio verfügt für äußerste Notfälle übrigens über ein kleines Krankenhaus, welches sich fast am Ortsausgang in der Nähe des Ortsteils Huitco befindet.

Links:
Offizielle Webseite der Stadt Puquio 
Offizielle Webseite des Orte Lucanas 

Fortsetzung: weiter zu Teil 2...
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